12.02.2026

Februargedenken in Hietzing

Am Goldmarkplatz in Hietzing wurde am Mittwochabend der Opfer der Februarkämpfe 1934 gedacht – und zugleich der bleibende Auftrag für Gegenwart und Zukunft in den Mittelpunkt gestellt. Das Erinnern an die dramatischen Ereignisse des Jahres 1934 ist mehr als ein historischer Rückblick: Es ist Mahnung, Verpflichtung und politischer Auftrag zugleich.

Nach der Begrüßung durch den Wiener SPÖ-Bildungsvorsitzenden und stellvertretenden SPÖ-Bundesbildungsvorsitzenden Mag. Marcus Schober eröffneten Gesprächsrunden den Abend. Dr. Gerald Netzl, Vorsitzender der Freiheitskämpferorganisation, sowie die Vorsitzenden der Wiener Jugendorganisationen – Sozialistische Jugend und Junge Generation – spannten den Bogen von den Ereignissen des Februar 1934 zu den Herausforderungen unserer Zeit. Besonders betont wurde die Verantwortung der jungen Generation, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit aktiv zu verteidigen und weiterzuentwickeln.

Unter großem Beifall wurde Vizekanzler und SPÖ-Bundesparteivorsitzender Andreas Babler begrüßt.

Einen zentralen inhaltlichen Schwerpunkt setzte SPÖ-Hietzing-Vorsitzender Prof. Dr. Gerhard Schmid, Landtagspräsident und Vorsitzender der SPÖ-Bundesbildungsorganisation. Er erinnerte an die Opfer der Februarkämpfe, an Todesurteile, Hinrichtungen und politische Verfolgung, exemplarisch an Karl Münichreiter, Georg Weissel und Koloman Wallisch sowie an den Sozialistenprozess und die Haft von Bruno Kreisky. Zugleich stellte er die entscheidende Frage: Wie sichern wir heute das Vermächtnis der Freiheitskämpfer?

Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Verteidigung von Demokratie und Rechtsstaat gegen ihre schleichende Erosion – durch Angriffe auf die Gewaltenteilung, Verschwörungsmythen, rechtsextreme Vernetzungen, politische Polarisierung und eine wachsende Repräsentationslücke im Parlament. Ebenso warnte er vor neuen Gefahren durch Künstliche Intelligenz, Desinformation, Deepfakes, Microtargeting, digitale Abhängigkeiten von internationalen Technologiekonzernen sowie vor der Schwächung des Qualitätsjournalismus.

„Wo die Demokratie im Inneren zerstört wird, wird sie auch im Äußeren beseitigt. Darum kann sie nur gefestigt werden, wenn man sie ununterbrochen in Bewegung hält – durch eine Durchflutung aller Lebensbereiche mit Demokratie. Die Zeit der schrecklichen Vereinfacher ist noch nicht vorbei. Umso mehr gilt: Das wichtigste Gut der Menschheit ist die geistige und individuelle Freiheit in einem sozialen Zusammenhang. Das heißt, bei den Menschen zu sein – auch wenn es unbequem ist und wir unsere Blase verlassen müssen. Eine klare politische Linie ist immer besser als keine. Den Anfängen wehren – niemals vergessen.“

Ein weiterer Höhepunkt war die Rede von Bürgermeister Michael Ludwig. Er erinnerte an den 12. Februar 1934 als Symbol für den Widerstand gegen autoritäre Entwicklungen und für den Einsatz um Demokratie und soziale Rechte. Solidarität sei kein abstrakter Begriff, sondern gelebte Praxis. Es sei leicht, „bei Sonnenschein“ nebeneinanderzustehen – entscheidend sei jedoch das solidarische Zusammenhalten in schwierigen Zeiten. Demokratie lebe vom Respekt vor demokratischen Entscheidungen und vom gemeinsamen Eintreten für ihre Werte.

Einen besonderen Akzent setzte die künstlerische Gestaltung des Abends. SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer Wolfgang Markytan betonte, dass Gedenken nicht bloß ritualisierte Erinnerung sein dürfe. Mit einer eindrucksvollen Performance – Nina Abrahamczik als Witwe, Bernd Herger als Sohn von Karl Münichreiter, unterstützt vom Performancekünstler Adrian Dorfmeister-Pölzer – wurde Geschichte lebendig und zugleich der Blick in die Gegenwart gerichtet: nicht als „anbetende Asche“, sondern als Weitergabe des Feuers.

Die Veranstaltung am Goldmarkplatz machte deutlich: Das Gedenken an den 12. Februar 1934 ist kein ritualisierter Blick zurück, sondern ein lebendiger Beitrag zur Stärkung demokratischer Kultur. Erinnerung wird so zur Haltung – mit Klarheit, mit Solidarität und mit dem festen Willen, Demokratie aktiv zu gestalten.

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